MiSO-Netzwerk Hannover e. V.

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Sie können den Newsletter nicht lesen? Hier online ansehen. Ausgabe: 1/2018 vom 16.02.2018



Ausgabe 1/2018

Koordination: Dr. Tatiana Czepurnyi, Dimitrij Czepurnyi & Wolfgang Becker (V.i.S.d.P.)

Inhalt

  • Vorwort
  • Termine
  • Migrationskonferenz 2017 und Ausblick auf entsprechende Aktivitäten in 2018
  • Projekt „Austauschen & Ausfliegen“ – Bustour nach Hamburg
  • Bericht und Video Flüchtlingsworkshop Loccum 19.-21. Januar 2018
  • Kurzvorstellung NeMO-Projekt „Wir sind viele“
  • MiSO-Mitarbeiter stellen sich vor – Der Geschäftsführer Jan-Egil Gubenis
  • Sachstand im Projekt House of Resources
  • Vorstellung der MiSO-Mitgliedsvereine Vietnam-Zentrum-Hannover e.V. und MRVN e.V.

Vorwort

Der MiSO-Newsletter wünscht allen LeserInnen ein fröhliches und erfolgreiches Neues Jahr! Als neue Mitglieder – es sind insgesamt inzwischen 39 – begrüßen wir in unserem Netzwerk die beiden afrikanischen Vereine Hakili-So/Haus der Bildung sowie Afrikanische Union. Berichten wollen wir über Ereignisse der letzten Wochen, insbesondere auch über die Migrationskonferenz im Freizeitheim Vahrenwald und darüber, wie es 2018 weiter gehen soll. Außerdem gibt es Reisenotizen aus Hamburg, eine Nachlese zur MiSO-Klausurtagung in Bad Bevensen (oben ein Gruppenfoto) und einen aktuellen Bericht über einen Workshop mit jungen Geflüchteten in Loccum. In dieser Ausgabe stellt sich Jan-Egil Gubenis als Geschäftsführer unseres Vereins vor. Eine Vorstellung gibt es auch von den neuen KollegInnen in unserer Geschäftsstelle, die am Projekt „Wir sind viele“ des NeMO-Bundesverbands arbeiten. Es folgt ein Bericht zu House of Resources und Dang Chau Lam berichtet über die MiSO-Mitglieder Vietnam-Zentrum Hannover und MRVN. Aber zunächst gibt es einen Ausblick auf wichtige Termine, die in nächster Zeit anstehen.

Termine

Vorstandssitzungen des MiSO-Netzwerks Hannover e. V….
… finden regelmäßig an jedem dritten Freitag des Monats von 15:30 bis 17:30 Uhr statt. Nächste Termine: 16.02.2018 und 16.03.2018. Mitgliedsorganisationen, die dringende/wichtige Themen bei MiSO einbringen möchten, nehmen bitte ggf. an der Sitzung des Vorstands teil (nach Voranmeldung und Nennung des Themas).

„Misch Dich ein“ – MiSO-Seminare im Februar 2018
Inhaltlich geht es um ehrenamtliches Engagement, jeweils von 18 bis 20 Uhr. Am 21.02. steht im Kulturzentrum Faust Kultur im Mittelpunkt, am 22.02. geht es im Ernst-Korte-Haus um Flüchtlingsarbeit und am 26.02.2018 bei Can Arkadas um Jugendarbeit. Der Eintritt ist frei, bitte schnell anmelden: lesia.brezitska@miso-netzwerk.de oder Tel.: 0511 – 54 57 19 53

06.04.2018: MiSO-Jahreshauptversammlung
16.00 – 19.00 Uhr, Ort steht noch nicht fest, u.a. mit Neuwahlen des Vorstands, die alle 2 Jahre stattfinden. Wer kandidieren möchte, wird gebeten sich vorab zu melden.

16.-22.04.2018: Samo.fa Projektwoche mit Geflüchteten in Kirchheim
Aufgrund des Erfolges des im Rahmen des Projektes samo.fa neu kreierten Formates findet auch in diesem Jahr wieder als 6tägiges Seminar in Kirchheim/Hessen die Seminarreihe „DUAL VET 2018 – Flüchtling ist kein Beruf“ mit ca. 28 Geflüchteten statt. Ziel ist die Aufnahme einer dualen Berufsausbildung in Mangel- und Engpassberufen. Der Projektansatz ist für nur geduldete Flüchtlinge – insbesondere auch aus afrikanischen Ländern – besonders interessant. Anmeldungen werden von sonam.lama@miso-netzwerk.de entgegengenommen.

10.04.2018: IIK-Sommerfest
Die Initiative für Internationalen Kulturaustausch sucht MitmacherInnen zur Vorbereitung und Durchführung des diesjährigen Festes auf dem FAUST-Gelände. Bitte melden unter: 0511 – 44 04 84

17./18.08.2018: MiSO-Klausurtagung in St. Andreasberg
Anreise: Freitag, 17.08.2018, 14.00 Uhr Abreise: Samstag, 18.08.2018, 16.30 Uhr. Ort: Sonnenberg-Kreis e.V., Clausthaler Str. 11, 37444 St. Andreasberg (Der Anmeldeprozess beginnt demnächst).

Migrationskonferenz 2017 und Ausblick auf entsprechende Aktivitäten in 2018

Am 24. November 2017 hat die zweite, vom MiSO-Netzwerk organisierte Migrationskonferenz stattgefunden. Im Fokus der Diskussionen: das Thema „Integration und Teilhabe“. Etwa 160 Menschen fanden den Weg in den großen Saal des Freizeitheims Vahrenwald. 137 von ihnen registrierten sich in den ausliegenden Unterschriftslisten. Angeknüpft werden sollte an die guten Erfahrungen auf der ersten Konferenz im August 2016 im Neuen Rathaus. Die Veranstaltung war langfristig von der MiSO-AG „Partizipation“ und der Geschäftsstelle vorbereitet worden. Die Werbung erfolgte im Internet und über Rundmails, über Mundpropaganda, Presseinfos, Flyer und Plakate.

„Wir haben ja schon recht viel geschafft“, betonte die städtische Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf zu Beginn der Konferenz. Sie erwähnte neben dem Internationalen Ausschuss des Rates vor allem den bereits 2008 aufgestellten Lokalen Integrations-Plan (LIP). „Wir werden mit dem LIP im kommenden Jahr mit der Stadtgesellschaft in einen neuen und breit aufgestellten Diskussionsprozess gehen“, so Beckedorf. Schließlich sei Hannover „eine Einwanderungsstadt“; von den derzeit rund 540.000 Bewohnern hätten etwa 30 Prozent eine Migrationsgeschichte.

Auf der Konferenz vorgelegt wurde in sieben Sprachen ein Katalog mit 15 Forderungen, unterschrieben von insgesamt 25 migrantischen Organisationen. Die Forderungen reichen von verstärkter Beteiligung und Förderung von MigrantInnenselbstorganisationen (MSO) und deren Herkunftssprachen über Verbesserung der Situation von Geflüchteten bis zum kommunalen Wahlrecht und der doppelten Staatsbürgerschaft für Nicht-EU-BürgerInnen.

Adressaten des Katalogs sind Politiker auf kommunaler, auf Landes- und auf Bundesebene, betonte MiSO-Vorstand Peyman Javaher-Haghighi: “Mit dem Forderungskatalog haben wir einen Meilenstein gelegt. Zum ersten Mal in Hannover formulieren so viele MSO ihre gemeinsamen Forderungen und setzen sich in ihrem Netzwerk gemeinsam dafür ein.”

„MSO sind Brückenbauer im Integrationsprozess“, formulierte MiSO-Vorstand Ferdos Mirabadi auf der anschließenden, von Irmhild Schrader moderierten Podiumsdiskussion zum Thema „Integration und Teilhabe“.

Vorangestellt wurde ein Zitat von Martin Luther King: „Integration ist sinnlos, ohne Teilhabe an der Macht“. Das Podium sollte u.a. der Frage nachgehen, inwieweit Beteiligungsmöglichkeiten von BürgerInnen aus Einwandererfamilien (auf kommunaler Ebene) strukturell verankert sind und welche Veränderungen notwendig sind, um bestehende Defizite auszugleichen.

Um die Diskussion möglichst konkret zu gestalten, haben u.a. der LIP, das Integrationskonzept der Region, der MiSO-Forderungskatalog als Bezugsrahmen gedient. Leitfragen dazu waren: Welche Erkenntnisse und Erfahrungen gibt es vor Ort bzw. in anderen Kommunen? Welche Lehren lassen sich daraus ziehen? Welche Initiativen sind geplant? Wo liegen die Grenzen von Beteiligungsprozessen jenseits der Staatsbürgerschaft? Nach einer Gesprächssequenz mit den PodiumsteilnehmerIinnen wurde die Diskussion ins Publikum geöffnet. Ein Fazit mit den PodiumsteilnehmerIinnen bildete den Abschluss.

Der Politikwissenschaftler Prof. Axel Schulte (Leibniz Universität) bezeichnete das Recht auf politische Teilhabe als „integralen Bestandteil der Demokratie und der Menschenrechte“. Es sei „für Prozesse der Integration von zentraler Bedeutung“.

Resa Deilami (Region Hannover) stellte die Notwendigkeit einer „interkulturellen Öffnung“ heraus, auch in der öffentlichen Verwaltung. Hier gäbe es bei Stadt und Region schon viele positive Veränderungen: „Darauf können wir stolz sein“. Deilami betonte den Prozesscharakter: „ Integration ist nicht das Ziel, sondern der Weg“. Vorstand Ümit Koçan (Dortmund) vom Bundesverband NEMO assistierte: „Hannover ist auf einem guten Weg, ein besseres Integrationskonzept zu entwickeln.“

Im Foyer des Freizeitheims gab es einen „Markt der Möglichkeiten“: ein rundes Dutzend MSO hatten dort schon zu Beginn der Veranstaltung Informationsstände aufgebaut. Vertreten waren die Vereine ADV Nord, Afghanisches Frauennetz, IIK, Indischer Verein, kargah, NAV-DEM, Tolstoi, Ukrainischer Verein und Vietnamzentrum. Zwischendurch gab es im Foyer auch einen leckeren Imbiss aus der Küche des Hauses.

Zum Abschluss der Konferenz wurden einige Themen in vier Workshops zu folgenden Themen vertieft: Bildung und Mehrsprachigkeit, Förderung von MSO, Was ist am Ende des Regenbogens – Sensibilisierung zur Situation von LSBTI*Q Geflüchteten in Hannover, Bedürfnisse und Forderungen von älteren MigrantIinnen.

Das Verständnis für den „Schatz der Mehrsprachigkeit“ müsse sich in allen Bereichen der Gesellschaft mehr entwickeln, wurde aus dem ersten Workshop berichtet. An den Schulen fehlen Lehrkräfte, die in Herkunftssprachen unterrichten. Gefordert wird die Anerkennung der Abschlüsse migrantischer Lehrer*innen in ihren Herkunftssprachen, die sie in ihrem Herkunftsland erworben haben.

„Was ist am Ende des Regenbogens?“ Hierzu wurde im Workshop hauptsächlich zur Unterbringung und Förderung von queeren Geflüchteten diskutiert. „Wie stellen wir sicher, dass migrantische SeniorInnen nicht außen vor bleiben,“ fragte sich der zweite Workshop. Einige Antworten: Einrichtung eines Dolmetscherpools, mehr Aufklärung, Projekte und Angebote für ältere MigrantInnen.

Die AG „Förderung von MSO“ hatte das Ziel, eine Schnittstelle zwischen den Bedarfen von migrantischen Gruppen und Vermittlern/Bevölkerung zu entwickeln und auszubauen. „Wie kann ich meine Chancen auf Förderung verbessern?“ war eine zentrale Frage. Auch sollte es nicht bei diesem einen Workshop bleiben, sondern die Plattform für einen Erfahrungsaustausch soll weiterentwickelt werden.

Bilanz der Konferenz: Vier intensive Stunden, interessante TeilnehmerInnen, leider mangelndes Medieninteresse, über die Veranstaltung zu berichten. Die Podiumsdiskussion war nicht unbedingt ergebnisorientiert, die Beteiligung aus dem Publikum eher schwach. Dafür fanden in den Workshops intensive Gespräche statt. Es scheint wichtig, die begonnenen Diskussionen fortzusetzen. Fazit der Moderatorin Irmhild Schrader: „Über das Format lässt sich sicher reden. 2016 wurde ein Fachvortrag in den Mittelpunkt gestellt, diesmal eine Podiumsdiskussion. Beides stellt an ein diskussionsfreudiges Publikum ja die Anforderung, selbst wenig zu Wort zu kommen… Dieses Dilemma aufzulösen ist nicht einfach.“

Mittlerweile hat die MiSO-Arbeitsgruppe „Partizipation“ mit den Planungen für die nächste, also die dritte Migrationskonferenz, begonnen. Sie soll voraussichtlich im Oktober 2018 stattfinden, diesmal an einem Samstag von 10 bis 17 Uhr. Favorisierter Ort ist das Neue Rathaus. Genaue Bedingungen müssen aber noch abgestimmt werden. Neben Workshops soll 2018 wieder ein Fachvortrag im Mittelpunkt der Konferenz stehen.

Projekt „Austauschen & Ausfliegen“ – Bustour nach Hamburg

Am 3. Februar2018 fand der erste gemeinsame Ausflug der türkischen, russischen und vietnamesischen Senioren statt. Trotz schlechtem Wetter genossen 37 Senioren eine gemeinsame Busfahrt nach Hamburg mit Besichtigung der Elbphilharmonie, der Speicherstadt, des Rathauses und der Michaeliskirche und der iranischen Moschee in Hamburg. Die Fahrt wurde durch den Verein Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk Hannover e.V. organisiert. Die Reiseführung fand in Russisch mit Übersetzung ins Deutsche statt. Die nächsten Fahrten werden durch Can Arkadas und den ADV Nord organisiert.

Nachlese Klausurtagung Bad Bevensen 27./28.10.2017

Zweitägige Klausurtagung des MiSO-Netzwerks Hannover e.V. am letzten Oktoberwochenende: Mitglieder, Vorstand und Mitarbeiter des Vereins trafen sich 130 km nördlich von Hannover in Bad Bevensen im Tagungshaus des Gustav-Stresemann-Instituts. Moderiert von Ingrid Wagemann ging es um Inhalte, Strukturen und Ziele des inzwischen 39 (Stand 1/2018) Organisationen umfassenden Netzwerks. Insbesondere wurden die Binnenstrukturen von MiSO und die Ziele für das kommende Jahr diskutiert.

Mehrheitlich gebilligt wurde in Bevensen eine Resolution gegen Abschiebungen nach Afghanistan: “Die Abschiebung von Geflüchteten in Krisengebiete und in unsichere Länder ist menschenfeindlich. Afghanistan ist ein unsicheres Land, das seit Jahrzehnten von Krieg und bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt ist. Deshalb dürfen Menschen nicht nach Afghanistan abgeschoben werden. Wir fordern einen Abschiebestopp für afghanische Geflüchtete!”

Bericht und Video Flüchtlingsworkshop Loccum 19.-21. Januar 2018

„Türen öffnen“ – Ein Wochenende für junge Leute, die geflüchtet sind: Eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Loccum zusammen mit dem Projekt samo.fa und MiSO . Hierzu gibt es ein Video: http://youtu.be/ArH90nHAUfE

„Wer neu in ein Land kommt, kommt wie in ein ‚neues Haus‘ und öffnet viele neue Türen: Türen zu Freunden, Türen zu Schulen, Türen zu einer Ausbildung … Welche Türen haben sich für euch in Deutschland geöffnet? Welche gingen leicht auf, welche schwer? Welche möchtet ihr noch öffnen?“.

So die Ankündigung zum Workshop „Türen öffnen“, der vom 19. bis zum 21. Januar 2018 an der Evangelischen Akademie Loccum stattgefunden hat. Veranstalter an diesem Wochenende waren die Ev. Akademie und das MiSO-Netzwerk mit dem Projekt samo.fa. 27 Geflüchtete im Alter von 18 bis 27 Jahren – zum überwiegenden Teil aus Syrien stammend – trafen auf zahlreiche Gesprächspartner, die erläutern konnten, welche Erwartungen Lehrer, Ausbilder und Universitäten an junge Menschen haben. In verschiedenen Workshops mit Musik, Dichtung und Malerei konnten die TeilnehmerInnen – gemeinsam mit Musikern und Künstlern aus Hannover – ihre Sicht auf Deutschland und auf die eigene Situation darstellen.

Kurzvorstellung NeMO-Projekt „Wir sind viele“

Zum Jahresbeginn 2018 hat die MiSO-Geschäftsstelle Zuwachs vom Bundesverband NeMO bekommen: Hans-Cord Völxen (Projektleitung) und Séverine Jean (Projektassistenz) sind für das Projekt „Wir sind viele – Einwanderungsgesellschaft für heute und morgen neu denken“ verantwortlich. Dieses Projekt wird von NeMO im Verbund mit MiSO e.V. (Hannover), VMDO e.V. (Dortmund), MORGEN-Netzwerk e.V. (München) und VeMo e.V. (Halle/Saale) durchgeführt.

Ein Projektziel ist die Stärkung von vor allem jungen Migrantinnen und Migranten und deren Selbstorganisationsformen für mehr gesellschaftliche Teilhabe. Ein weiteres Projektziel ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Konzept „Mehrfachidentitäten“. Das dritte große und utopisch wirkende Ziel ist, gemeinsam mit euch sowohl konkrete und als auch visionäre Ideen und Vorschläge zu entwickeln, wie ein gutes Leben für alle in einer multikulturellen oder „inklusiven“ Stadtgesellschaft von heute bis übermorgen aussehen kann.

Séverine und Cord freuen sich darauf euch kennenzulernen sowie mit und für euch zu arbeiten. Mehr Infos zum Projekt gibt es auf der Website nach der nächsten MiSO-Vorstandssitzung am 16.02.2018. Erreichbar sind die beiden unter: Tel: 0511-53078853, Mail: hc.voelxen@bv-nemo.de / s.jean@bv-nemo.de

MiSO-Mitarbeiter stellen sich vor – Der Geschäftsführer Jan-Egil Gubenis

Jan-Egil Gubenis (37) arbeitet seit März 2012 für das MiSO-Netzwerk Hannover e.V. und gehört damit zu den dienstältesten MitarbeiterInnen des 2010 gegründeten Netzwerks. Seit Sommer 2017 ist er MiSO-Geschäftsführer. „In den letzten Jahren ist hier viel passiert“, sagt er. „Das MiSO-Netzwerk ist stetig gewachsen.“

Immer mehr Vereine und Initiativen werden MiSO-Mitglied. Und auch die Projektarbeit – neben der Netzwerk- und Vereinsarbeit ein wichtiger Teil der Arbeit von MiSO – ist umfangreicher geworden. „Als Mitarbeiter Teil einer solchen Entwicklung zu sein, macht natürlich Spaß“, sagt Jan-Egil. „Wir betreuen immer mehr und größere Projekte wie zum Beispiel samo.fa – ein Projekt zur Unterstützung von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit oder Neue Wurzeln – ein Ausstellungsprojekt, in dem 29 HannoveranerInnen mit Einwanderungsgeschichte in der Öffentlichkeit präsentiert werden. Solche spannenden Projekte machen die Arbeit hier immer abwechslungsreich und interessant.“

Besonders am Herzen liegt ihm das vom BAMF geförderte Projekt House of Resources, mit dem MiSO vor allem die sogenannten „kleineren“ und neuen Vereine und Initiativen im Bereich der Integrations- und Flüchtlingsarbeit unterstützen kann. „Als ich vor 5 Jahren angefangen habe, hier zu arbeiten, gab es solche Unterstützungsmöglichkeiten noch nicht. Damals waren wir mit dem Aufbau des Netzwerks, der Vereinsarbeit und der Arbeit der AGs voll ausgelastet. Heute sind wir elf MitarbeiterInnen, von denen viele im Rahmen ihrer Projekte die Arbeit der MSO direkt unterstützen können.“

Wie die Arbeit von MiSO, ist auch die MitarbeiterInnenzahl größer und vielfältiger geworden. „Es gibt KollegInnen mit sehr wenig und KollegInnen mit sehr viel Arbeitserfahrung, KollegInnen mit und ohne Migrationserfahrung, mit und ohne Behinderung. Wir haben Bundesfreiwillige, MinijobberInnen, Auszubildende, einige Teilzeit- und zwei VollzeitmitarbeiterInnen. Und die meisten von uns arbeiten noch nicht sehr lange bei MiSO. Als Geschäftsführer daran mitzuarbeiten, wie wir MitarbeiterInnen immer mehr zu einem Team werden, ist jeden Tag eine spannende Herausforderung.“
Was Jan-Egil bei MiSO am meisten beeindruckt, ist die große Zahl der Ehrenamtlichen, die sich in den vielen hannoverschen Migrantenselbstorganisationen und sonstigen Vereinen für Flüchtlinge und MigrantInnen engagieren. Zusätzlich zum Engagement in ihrem Verein, seien viele bei MiSO aktiv. „Viele der Ehrenamtlichen opfern sehr viel Freizeit und Energie dafür, den Menschen in ihrer Community oder anderen MigrantInnen zu helfen oder sie zu empowern. Diese Ehrenamtlichen in ihrer Tätigkeit zu unterstützen, halte ich für unsere zentrale Aufgabe – z.B. in dem wir Ihre Arbeit in der Öffentlichkeit sichtbar machen, Fortbildungen für Sie organisieren oder bei Projektanträgen unterstützen.“

„Ein Privileg ist, dass ich während meiner Arbeit bei MiSO mit Menschen aus vielen Kulturen zu tun habe. Bevor ich hier bei MiSO angefangen habe, hatte ich selbst zwei Jahre in Südamerika gelebt. Zurück in Deutschland war es mir sehr wichtig, in einem interkulturellen Umfeld tätig zu sein. Neben der eigentlichen Arbeit, lernt man hier viel über das Leben und die Welt.“

„In meiner Freizeit lese ich gerne. Ab und zu gehe ich joggen. Ich wohne in der Südstadt – bis zur Eilenriede sind es nur fünf Minuten und der Maschsee ist auch nah.“

Sachstand im Projekt House of Resources

Das Team von House of Resources Hannover (HoR) – www.house-of-resources-hannover.de – hat seine 2016 begonnene Arbeit auch im Jahr 2017 erfolgreich erfüllt. Insgesamt wurden 45 Projektanträge gestellt, welche sich auf beide Mikro- und Makroprojekte bezogen. Seit Januar 2018 werden den geförderten Vereinen und Initiativen sich wiederholende praxisorientierte Workshops zu dem Thema „Verwendungsnachweis“ angeboten. Die Geförderten bekommen eine kurze Einführung in den Ablauf und in die Rechtsordnung der Abrechnung. Danach befassen sie sich individuell mit ihren zahlenmäßigen Nachweisen und bekommen dabei eine praktische Unterstützung von dem HoR-Team. Es ist geplant, bis Ende des laufenden Monats die Abgabe der Verwendungsnachweise abzuschließen und langsam mit dem Neueinstieg in die Förderung 2018 anzufangen.

Vorstellung der MiSO-Mitgliedsvereine Vietnam-Zentrum-Hannover e.V. und MRVN e.V.

Fragen an Dang Chau Lam (auf dem Foto links im Bild)

Einwanderung ist ein entscheidender Faktor für die Vielfalt in der Bundesrepublik Deutschland. Deutschland ist zwar schon lange ein Einwanderungsland, aber es ist noch lange keine Einwanderungsgesellschaft. Hierzu einige Anmerkungen von Dang Chau Lam, Vorstandsmitglied des Vietnam-Zentrums e.V. und Gründungsmitglied des MiSO-Netzwerks Hannover.

Bitte stelle Dich vor und nenne einige biografische Daten zu Deiner Person.

Als Zwanzigjähriger kam ich nach dem Abitur im Dezember 1968 nach Deutschland, um die deutsche Sprache zu lernen und in Hannover ein Studium der Mineralogie aufzunehmen. Zum Ende meines Studiums hatte sich die Situation in meiner Heimat Vietnam verschärft und ich beschloss, in Hannover zu bleiben. Der Krieg war am 30. April 1975 mit dem Sieg des Nordens zu Ende gegangen, aber die kommunistischen Machthaber trieben die Menschen, die während des Krieges die südvietnamesische Regierung unterstützt hatten, mit Folter und Haft aus dem Land. Vietnam ist und bleibt eine Diktatur – bis heute. Damals, nach dem Krieg, versuchten Tausende Menschen in kleinen Booten Thailand, Malaysia oder Indonesien zu erreichen. Doch viele ertranken auf dem Weg. Der Begriff „Boat-People“ ist zum Symbol der Vietnam-Flüchtlinge in den 1970er und 80er-Jahren geworden.

Schon während des Studiums habe ich mich politisch engagiert. Meine ehrenamtliche gesellschaftliche Arbeit begann vor 49 Jahren als Mitbegründer der Vietnam-Studentenvereinigung in Hannover, die sich aktiv für die Menschenrechte einsetzte. Wir Hannoveraner und Vertreter von weiteren Universitäten gründeten ein bundesweites Netz, die Organisation zur Wahrung der Menschenrechte in Vietnam e.V. (MRVN), mit dem Ziel, öffentlich für den Frieden und gegen den Vietnam-Krieg Stellung zu nehmen, denn dieser Krieg war grausam und rücksichtslos und ging zu Lasten der Menschen auf beiden Seiten.
Der Krieg in meinem Heimatland beeinflusste auch meinen beruflichen Werdegang in der Bundesrepublik. Nach dem Studium war ich daher zunächst zwei Jahre lang für die niedersächsische Landesregierung als Dolmetscher tätig (1980-1981). Anschließend habe ich bis zum Rentenalter 27 Jahre lang in der chemischen Industrie gearbeitet.

Politisches Engagement ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens in der neuen Heimat geblieben. Die vietnamesische Studentenvereinigung hat sich umstrukturiert und als Vietnam-Zentrum Hannover e.V. neu gegründet (1986). Seither bemühen sich die Mitglieder um die Integration der Neu-Ankommenden. Meist mit Erfolg – denn traditionell hat Bildung einen hohen Stellenwert in der vietnamesischen Kultur. Eine große Veränderung brachte das Mauerfall-Jahr 1989 für unseren Verein. Denn mit der deutschen Einheit kam neben den Kriegsflüchtlingen („Boat-People“) der 1970er- und 80er-Jahre eine zweite Gruppe zum Vietnam-Zentrum: die vietnamesischen Vertragsarbeiter aus der ehemaligen DDR, die ganz anders sozialisiert waren. Es gab auf einmal westdeutsche Vietnamesen und ostdeutsche Vietnamesen. Beim Vietnam-Zentrum Hannover sitzen sie zusammen und tauschen ihre jeweiligen Erfahrungen aus. Sie teilen den kritischen Blick auf die aktuellen Verhältnisse in Vietnam, mit dieser Haltung pflegt das Vietnam-Zentrum den Geist der Versöhnung.

Das Vietnam-Zentrum wurde 1986 gegründet. Was genau sind seine Aktivitäten?

Das Vietnam-Zentrum e.V. hat sich die Arbeit für die Integration und Völkerverständigung zur Aufgabe gemacht. Räumlich fügt sich das Zentrum in ein größeres Umfeld benachbarter Vereine auf dem FAUST-Gelände in Linden-Nord, einer früheren Bettfedernfabrik, ein. Das Zentrum bietet Landsleuten einen Treffpunkt und bei Bedarf auch Beratung an. Es hilft im Umgang mit Behörden, leistet Dolmetscherdienste und engagiert sich in der Kultur- und Flüchtlingsarbeit. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisieren Informations- und Begegnungsveranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen und Familienfreizeiten. Das Vietnam-Zentrum beteiligt sich regelmäßig an Info-Ständen, an öffentlichen Auftritten und kulturellen Veranstaltungen zusammen mit der MRVN, mit Amnesty International (AI) und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).
Die Arbeit auf Landes- und Bundesebene, die Vernetzung mit anderen Selbstorganisationen sowie der Einsatz für die Menschenrechte gehören zu den zentralen Anliegen des Vietnam-Zentrums. Es wirbt um Verständnis für die besondere Lage von Flüchtlingen und für die gleichberechtigte Teilhabe, Partizipation, Anerkennung und Chancengleichheit von Migrantinnen und Migranten. Ziel ist der Abbau von Berührungsängsten, Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeiten zwischen Menschen verschiedener Kulturen.

Vietnamesische Kultur gibt es hierzulande auch bei Miss Saigon oder im Streetkitchen. Sind diese Garküchen typisch für Dein Land?

„Essen ist eine Lebenskunst“ – das ist ein bekanntes Sprichwort in Vietnam und erklärt den hohen Stellenwert, den Speisen und ihre Zubereitung dort haben. Da wird von früh morgens bis spät in die Nacht geschnippelt, gehackt, gedämpft, frittiert und dekoriert – und die Ergebnisse meist auf der Straße an einfachen Holz- bzw. Plastiktischen verspeist. An jeder Straßenecke findet man solch eine Garküche („Streetkitchen“). Sie gehören zum alltäglichen Leben in den Wohngebieten. Einen Eindruck von dieser Kochkunst, die als die vielseitigste und kulinarisch anspruchsvollste in Fernost gilt, vermittelt nicht nur unser Verein bei seinen zahlreichen Veranstaltungen sondern auch die vielen Restaurants und Imbisse in Hannovers Straßen. Sie bringen die „Farben“ Vietnams in unsere Stadt und zeugen von seiner Geselligkeit und Gastfreundlichkeit. Solche Garküchen sieht man auch in anderen südostasiatischen Ländern wie in Thailand, Kambodscha, Philippinen…

Was bedeutet für Dich heutzutage „interkulturelle Öffnung“?

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Hannover ist eine Einwanderungsstadt. Vielfalt und Teilhabe als Grundüberzeugung und als gelebte Praxis sind die Fundamente und die besonderen Stärken einer gelungenen Einwanderungsgesellschaft und damit der gesellschaftlichen Zukunft für uns alle.
Ziel der Integration ist Gleichstellung und Teilhabe. Ein wichtiger Schlüssel dafür ist die „interkulturelle Öffnung“ (IKÖ) der Gesellschaft. Denn durch IKÖ wird Teilhabe strukturell verankert. Nur so kann eine repräsentative Demokratie ihren Anspruch einlösen, alle Menschen zu vertreten und zu beteiligen. Nur so können wir Zugangsbarrieren abbauen und Dienstleistungen diskriminierungsfrei für Alle anbieten.

Die interkulturelle Öffnung ist aber auch Thema und Ziel der vor Ort tätigen Vereine und Gruppen. Die meisten sind inzwischen herkunftsübergreifend organisiert und ausgerichtet auf die Lebenssituation vor Ort. Hier wollen wir die Vielfalt stärken und leben. Vielfalt ist Tatsache. Dies zu akzeptieren halte ich für eine grundlegende Bedingung zur Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Damit geht einher, Ausgrenzung und Rassismus konsequent zu bekämpfen und Teilhabe zu organisieren.

Die Achtung der Menschenrechte und der Respekt vor der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind Grundpfeiler, auf denen die Einwanderungsgesellschaft ruht. Hierfür ist das Grundgesetz die rechtliche Basis. Rassismus und Diskriminierung stellen eine Verletzung der Grund- und Menschenrechte dar und haben daher keinen Platz in der deutschen Gesellschaft.

Nicht zuletzt haben die „Pannen“ bei der Aufklärung der rassistisch motivierten Morde der terroristischen Gruppe NSU aufgezeigt, dass in Deutschland in puncto Bekämpfung von Rechtsextremismus und Diskriminierung immer noch viel nachgeholt werden muss.

Angriffe auf unsere freie Gesellschaft drohen auch von Nationalisten: Rechtsextremistische Übergriffe und Anschläge haben in den letzten Jahren bedrohlich zugenommen. Damit wird Angst und Schrecken verbreitet bei den bedrohten Menschengruppen. Auch die Gefahr, die zum Beispiel durch radikale „Reichsbürger“ ausgeht, hat gezeigt: Das Waffenrecht muss schärfer gefasst werden. Hasspropaganda schürt ein Klima der Gewalt, Hass und Gewalt können wir nicht dulden.

Seit Jahren fordern die Migrantenselbstorganisationen (MSO) u.a. bei den MiSO-Migrationskonferenzen in Hannover die politischen Parteien dazu auf, sich gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung auszusprechen und aktiv zu werden. Geeignete Aufklärungsprojekte und politische Handlungsstrategien müssen initiiert werden. Dabei müssen MSO als gleichberechtigte Kooperationspartnerinnen einbezogen werden.



 

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