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Kongress LIP 2.0: „Vielfalt ist unsere Stärke“

Januar 20, 2020     MiSO e. V.     Lesezeit: 4 Minuten

Große Auftaktveranstaltung zum Lokalen Integrationsplan LIP: Bis zu 250 Menschen trafen sich am 17. und 18. Januar 2020 im hannoverschen Haus der Jugend. Geladen hatten die Landeshauptstadt Hannover und das MiSO-Netzwerk. Während es am ersten Tag hauptsächlich um Auswertung des bereits im Jahr 2008 aufgestellten Plans ging, stand der zweite Tag ganz im Zeichen des Ausblicks auf den „LIP 2.0“.

"Der LIP richtet sich an alle Menschen in dieser Stadt“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) zu Beginn in seiner Eröffnungsrede, „Integration muss für gleichberechtigte Teilhabe stehen“. Eby Tangara vom MiSO-Vorstand ergänzte: „Der LIP muss ein klares Zeichen für Humanität setzen“. Ein Drittel der Hannoveraner*innen habe eine Migrationsgeschichte: „Vielfalt ist unsere Stärke!“

 „Wichtig ist es, gemeinsam ins Gespräch zu kommen“, meinte die dritte Rednerin, Dr. Koralia Sekler - Kuratorin des städtischen „Gesellschaftsfonds Zusammenleben“ GFZ: „Der LIP ist ein Plan für das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt“. Anschließend überreichte Sekler den GFZ-Integrationspreis an den früheren Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD), in dessen Amtszeit der LIP auf den Weg gebracht worden war.

 „Diesen Preis habe ich damals selber gestiftet“, freute sich der heutige Ministerpräsident. Er beklagte den seit 2008 zu beobachtenden „Klimawechsel“ in der Gesellschaft und eine allgemeine „Verrohung der Sprache“. „Es hat sich einiges geändert und darauf muss der LIP eingehen.“ Integration sei ein „heikler Begriff“, so Weil weiter, und definitiv etwas anderes als Assimilation.  

Die Begrifflichkeiten hatten einen hohen Stellenwert auf der gut besuchten, intensiv durchgeplanten Veranstaltung. Gut möglich, dass der zukünftige „LIP 2.0“ gar nicht mehr Integrationsplan heißen wird. Vielleicht eher „Teilhabekonzept“. Unter Moderation von Jan Egge Sedelies und zahlreichen Freiwilligen gab es am ersten Tag viele Rückblicke und Analysen, eingerahmt von Cello und Gesang. Am Abend lief noch eine „LIParty“ mit einer Jam-Session der Gruppe Linden Legendz. Rap, Funk und Reggae bis weit nach Mitternacht.

Auch der zweite Tag begann mit Musik: Ein fünfköpfiges Ensemble bot orientalische Klänge und persischen Gesang. Danach begrüßte Stadträtin Konstanze Beckedorf „ganz viele Wiederholungstäter“ zum „Blick nach vorn“ beim LIP. Es gehe um einen „breitangelegten Beteiligungsprozess“, die Stadtverwaltung und das MiSO-Netzwerk verbände schon seit Jahren eine „intensive Partnerschaft“, so die Sozial-, Sport- und Kulturdezernentin weiter. „Wir sollten keine Angst vor Streit haben, das ist die Basis unserer Demokratie“.

Unterhaltsam war danach auf der Bühne eine „Kochshow“ mit sechs Talkgästen, darunter auch Konstanze Beckedorf. Die Stadträtin schälte Kartoffeln und rührte in der „großen Kultursuppe“ – einer Minestrone, die zum späteren Mittagessen gereicht wurde. Alle Akteure kamen zuvor zum Gruppenfoto mit LIP-Transparent und Konfetti auf die Bühne. Dr. Bettina Doering - bei der Stadt Bereichsleiterin Migration und Integration – erklärte die weiteren Arbeitsschritte zum LIP 2.0: „Bis Juni 2020 wollen wir gemeinsam ein Strategiepapier entwickeln. Ich wünsche mir eine Streitkultur und einen langen Atem!“

Der Samstagnachmittag stand ganz im Zeichen der Perspektivdebatte. In sieben „Dialogrunden“ wurde eifrig über die Handlungsfelder des „LIP 2.0“ diskutiert: Bildung, Soziales, Demokratie, Stadtleben und Kultur, Wirtschaft, Stadtverwaltung und Diversität sowie Jugend lauteten die Themen. In der Gruppe „Demokratie“ gab es auch Kritik an der Veranstaltung: Mehrsprachigkeit, Gebärdendolmetscher und Barrierefreiheit fehlten, Attraktivität für junge Menschen sei nicht gegeben gewesen, hieß es. Daraus können alle LIP-Beteiligten sicher noch lernen.

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