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Amini-Platz in Linden-Mitte: Der Name steht für „Frau, Leben, Freiheit“

3 Minuten Lesezeit

Eine außergewöhnliche Straßenbenennung in Linden-Mitte am 27. Januar: Hier gibt es jetzt einen Jina-Mahsa-Amini-Platz.
Video von Martin Tönnies:

Für die Exiliranerin und MiSO-Mitbegründerin Ferdos Mirabadi, aktiv in Linden als Integrationsbeirätin und beim Verein kargah, war es ein durchwachsener Tag. Zu der Platzbenennung an der Kreuzung Stephanusstraße / Gartenallee sei sie „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ gekommen. Bevor sie das neue Straßenschild enthüllte, fand am Samstagmittag eine eindrucksvolle Feierstunde statt, zu der rund 400 Menschen an den Ort zwischen Lindener Markt und Küchengartenplatz gekommen waren.

„Mit der Ermordung der 22-jährigen Mahsa Amini durch die Sitten- und Religionspolizei der Islamischen Republik Iran wurde der Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ universalisiert. Ihr Tod machte viele Millionen Menschen weltweit traurig und wütend und löste im ganzen Land Protestbewegungen aus“, sagte Ferdos Mirabadi: „Die Reaktion des totalitär geführten Irans hatte mehr als 25 000 Inhaftierte und über 600 gewaltsam getötete Frauen, Männer und den Tod von über 70 Kindern zur Folge. Die Stadt Hannover ist die erste Stadt in Deutschland, die einer Platzumbenennung für Mahsa Amini zugestimmt hat. Wir begrüßen diesen Schritt sehr und freuen uns, viele Menschen und Unterstützer*innen begrüßen zu dürfen.“

„Nach den langen ergebnislosen Diskussionen auf Ratsebene freue ich mich, dass wir als Bezirksrat in Linden-Limmer einen kleinen, aber feinen Ort in Lindens Mitte gefunden haben, um Jina Mahsa Amini zu ehren,“ sagte Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube. „Allein in 2023 ist es im Iran zu unglaublichen 823 Hinrichtungen gekommen und Anfang dieser Woche wurde das neunte Todesurteil vollstreckt, das im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Tod Aminis verhängt wurde. So ist das Engagement für Selbstbestimmung und eine demokratische Gesellschaft stets lebensgefährlich geblieben und nicht wenige konnten sich einer Verfolgung nur durch Flucht entziehen, leben über die Welt verteilt, auch hier in Hannover und in Linden und sind auch gekommen, um der Platzbenennung beizuwohnen“, so Grube auf der Feierstunde.

Neben Mirabadi und Grube gab es weitere Redner*innen. „Sie wurde ermordet, weil sie für ein freies Leben stand“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay. Uta Saenger von den „Omas Gegen Rechts Hannover“, Thomas Ganskow von den Piraten, der im vergangenen September im Stadtbezirksrat Linden-Limmer den Antrag zur Platzbenennung eingebracht hatte, sowie Anja Schollmeyer und Bala Ramani aus der SPD-Ratsfraktion standen ebenfalls auf der Rednerliste.

Jina Mahsa Amini starb am 16. September 2022 in Teheran. Sie war eine iranische Kurdin, die infolge ihres gewaltsamen Todes weltweit bekannt wurde. Sie war wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das staatliche Hidschāb-Gesetz von der Sittenpolizei festgenommen, geschlagen und dabei tödlich verletzt worden. Die Nachricht davon löste die bisher schwersten und am längsten andauernden Proteste gegen das Mullah-Regime seit dessen Machtantritt 1979 aus.

Fotos: Martin Tönnies, Stefan Ebers, Wolfgang Becker


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