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Migranten und Silvesterkrawalle: „Es stellt sich die Frage nach der Absicht der Berichterstattung“

3 Minuten Lesezeit

Zum Jahreswechsel Böller und Raketen – ein Szenario wie im Krieg. Sind die Akteure überwiegend migrantische Krawalljugendliche? Dazu Stimmen aus dem MiSO-Netzwerk. 

Der Rauch hat sich verzogen, die Müllberge (Foto Martin Tönnies) sind abgeräumt. Geblieben ist das Entsetzen über Tote und Verletzte beim Zünden von Knallkörpern sowie zahlreiche Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte. Die öffentliche Diskussion über die Ausschreitungen in der letzten Silvesternacht in Berlin-Neukölln und anderenorts zielt nun zunehmend auf den Migrantenanteil unter den jungen, zumeist männlichen Tätern und schürt damit ein rassistisches Klima.

„Die Gewalt, die von jungen Männern in der Silvesternacht ausgegangen ist, ist wirklich erschreckend. Keinesfalls sollte jetzt aber diese Ereignisse als Auslöser eines generellen Verbotes von Knallern dienen“, meint dazu MiSO-Vorstand Nadia Kurtul vom Verein Can Arkadas. Es gäbe genug andere Gründe, warum man über ein Verbot nachdenken sollte, wie z.B Solidarität gegenüber über Menschen, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind oder mit Tieren, um diese nicht zu verängstigen. „Generell finde ich es aber noch erschreckender, dass man sich so sehr mit der Herkunft der Täter beschäftigt und diese mit Zahlen benennt. Da stellt sich mir die Frage nach der Absicht der Berichterstattung.“ so Nadia Kurtul weiter.

„Man schürt damit ein rassistisches Klima“

„Die fortlaufende Diskussion über die Ausschreitungen in der Silvesternacht in den Städten in Deutschland, besonders in Berlin, macht mir Sorgen“, sagt das MiSO-Vorstandsmitglied Dang Chau Lam vom Vietnamzentrum Hannover: „Einige unverantwortliche Medien und Politiker*innen bemühen einmal mehr das Mantra der "gescheiterten Integration" und nutzen damit Migrant*innen als Projektionsfläche für tiefliegende Gesellschaftsprobleme. Statt über soziale Ungleichheit und ausgrenzende Strukturen zu reden, vertiefen sie das rassistische Klima. Menschen mit Migrationsgeschichte erleben erneut, dass sie nicht dazugehören."

Gewalt - egal in welchen Formen - könne die demokratische Gesellschaft nicht akzeptieren und sie dürfe von niemandem geduldet werden. Die mutmaßlichen Täter*innen, so die Forderung der Migrantenselbstorganisationen (MSO), müssen vor Gericht gestellt und nach den geltenden Gesetzen beurteilt werden.

„Der (mediale) Blick auf die Ausschreitungen verstellt die Tatsache, dass Millionen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte in der Silvesternacht friedlich gefeiert haben“, so Dang Chau Lam: “Es sind unsere Jugendlichen, die - egal wie sie heißen - hier aufwachsen und einen Platz in dieser Gesellschaft finden müssen. Dabei müssen wir ihnen helfen, anstatt sie als gewaltbereit vorzuverurteilen.“

Das MiSO-Netzwerk Hannover appelliert deshalb an alle Beteiligten, ruhig und sachlich zu bleiben und diese schlimmen Ereignisse aufzuklären bzw. aufzuarbeiten.

MiSO-Netzwerk Hannover e. V.

Mengendamm 12 (4. OG)
30177 Hannover

0511 - 54 57 19 52
info@miso-netzwerk.de

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